9.3.2008

Neil Diamond - 12 Songs

Am letzten Tag der Woche findet sich auf der letzten Seite der SZ eine ihrer besten: das Interview zum Wochenende. Diesmal befragte Alexander Gorkov Neil Diamond (im Wochenend-Interview ist der, der die Fragen stellt, so wichtig wie der, der sie beantwortet).

Ich war schon sehr überrascht: einmal davon, daß Neil Diamond eben kein Künstlername ist, sondern – in jenem jüdischen Milieu, in dem er aufwuchs – ein langweiliger Spießername; dann davon, was für eine facettenreiche Persönlichkeit sich hinter dem Mann verbirgt. Das ist keinesfalls der halbe Schlagersänger, für den ich ihn immer gehalten hatte, sondern eine reflektierte Person mit dezidierten Standpunkten.

Man muß wissen: ich bin mit „Neil” groß geworden; meine Schwester war (und ist!) ein großer Fan, und hat dafür gesorgt, daß in meiner Teenagerzeit im Nebenzimmer stets seine Musik spielte. Insofern ist es fast ein Wunder, daß ich mir soeben die "12 Songs" in voller Länge gegeben habe – das Interview war interessant genug, mein festgestanztes (Vor)urteil in Neugierde zu verwandeln.

Die CD besteht komplett aus Neukompositionen – was bei einem Star wie Diamond, der die Sechzig längst überschritten hat, und von dem man vermuten könnte, daß er seine Konzerte mit abgenudelten Hits vergangener Tage bestreitet, mehr als ungewöhlich ist. Die zweite, nicht minder große Überraschung: hier wird akustische Gitarre gespielt, und gesungen. Wenig mehr. Kein Zuckerguß aus Streichern und Chören, sondern eine ehrliche Bilanz: dies ist meine Stimme (und da wurde nicht mit dem Computer nachträglich an der Intonation geschraubt; ich weiß, wie sich sowas anhört), so klingt meine Martin-Akkustik, und wenn ich die Tonart wechseln will, setze ich ein Capo auf das Griffbrett.

Der Produzent heißt Rick Rubin, und der ist in der Szene ja kein Unbekannter. Der Reichtum an Details dürfte auf sein Konto gehen: das Xylophon, das in einem (zwei?) Songs die hohen Frequenzen besetzt; die Slide-Guitar, die über die Akkustischen überfallsartig hereinbricht; kurz ein Cello, eine Tuba, ganz kurz eine komplette Marching-Band (die Credits auf der CD sind alles andere als komplett) – das ist mehr als bloß Handwerk, Rubin bekundet ein echtes Interesse an Diamonds Songs.

Meine Favoriten: das freche "Save me a Saturday Night" (das in Es-Dur aus dem üblichen Gitarren-Tonarten ausbricht), "I'm On to You" (düster), und – voller Pathos – "Create Me".

Überflüssig: die beiden Bonustakes. Besonders die letzte Nummer sollte man sich – zumindest beim ersten Hören – schenken; das klingt, im Kontext, doch reichlich nach Party.

Na – und ich muß es doch loswerden: glücklicherweise ist mein Englisch nicht gut genug, um jedes Wort auf Anhieb zu verstehen – leider aber auch nicht ganz so schlecht, daß ich nur die groovende, textlose Seite dieser Songs wahrnehme.

Nachtrag: Auf der Homepage von Neil Diamond findet sich eine ganze Sammlung von Links auf Kritiken (das läßt sich leider nicht direkt verlinken, weil Frame-Hölle – diesmal in der verschärften Variante mit erzwungenem Flash). Am Besten trifft es m.E. der Rolling Stone – der sogar den Texten etwas abgewinnen kann.

Nachtrag 2: Bettina Michaelis (meine Schwester) leitet gemeinsam mit Käthe Schneider seit endlosen Jahren die – einzig offiziell von Neil Diamond autorisierte – deutsche Fangemeinde von FoND (Friends of Neil Diamond). Kontakt: FoND.BK (at) gmx.de

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