12.9.2014

Virtuelle Pianos

Hallo Michael,

ich las heute bzw hörte die Klangprobe in Deinem Blog.

Vor längerem hatte ich ein anderes vPiano (Roland V-Piano in der nachgeahmten Bauweise eines Flügels) ausprobiert und das klang im Diskant so entsetzlich, im Bass dagegen so großartig, dass ich noch immer im Zweifel bin, ob ich wieder ein klassisches Klavier bzw einen Flügel kaufe oder doch in die Elektronik wechsele, wobei gewiss auch eine Rolle spielt, dass ich vor allem klassische Musik und manchmal ein bisschen Jazz spiele.

Was sagst Du als Profi zu Deinen eigenen Erfahrungen und was empfiehlst Du mir?

Viele Grüße

Hi,

das ist ein weites Thema...

Wenn es meine Verhältnisse zuließen, würde ich mir einen großen Flügel in die Wohnung stellen (Steinway oder Bösendorfer). Dabei ist das gar nicht so sehr eine Frage des Preises (eine hohe fünfstellige Summe muß man schon investieren), sondern der Wohnverhältnisse. Man braucht schon einen eigenen Raum für solch ein Instrument, und sehr tolerante (oder besser noch: keine) Nachbarn. – Ich hatte vor Jahren in meinem Blog einen Eintrag zu dem Thema.

Ein Klavier wäre für mich ein eher unbefriedigender Kompromiß. Das Problem mit den Nachbarn bleibt bestehen; mit einer elektronischen Lösung ist man per se wesentlich flexibler (man kann den Klaviersound leicht wechseln; andere Sounds ansteuern; problemlos mit dem Sequenzer Aufnahmen machen; uvm.).

Ich hatte die letzten zehn Jahre einen Piano-Controller von StudioLogic (ein SL990-Pro) neben meinem Schreibtisch - das ist eine sehr ordentliche Tastatur zu einem fairen Preis (~€400,-). Damit habe ich diverse Piano-Sampleplayer angesteuert, hauptsächlich solche aus unserem Haus (TheGrand 1-3; Halion hat auch zwei recht ordentliche Klaviere).

Nachdem das StudioLogic zwei Tasten verloren hat, habe ich mich etwas näher mit dem derzeitigen Angebot beschäftigt. StudioLogic baut immer noch Tastaturen zu einem unschlagbaren Verhältnis von Preis/Leistung. Ich bin dann aber bei der im Blog erwähnten Kawai-Tastatur hängen geblieben, nachdem ich sie nur ein paar Minuten bei JustMusic anspielen konnte.

Das VPC1 hat eine gewichtete und skalierte (d.h., wie bei einem echten Klavier spielen sich die Tasten umso leichter, je höher man kommt) Hammertastatur, und Holztasten (das Teil wiegt 30kg!). Die Haptik kommt mE. der eines echten Klaviers verblüffend nahe. Laut übereinstimmender Meinung bietet das VPC1 mit die beste Tastatur, die momentan zu haben ist (Kostenpunkt: ~€1300,-; für etwa den vierfachen Preis bekommt man Workstations, in denen noch etwas bessere Tastaturen verbaut sind).

Software: da gibt es einige Lösungen, die momentan einen guten Ruf haben, und bis auf eine Ausnahme Sample-basiert sind. Besonders das Ivory von Synthogy hat einen größeren Kreis von Fans.

Ich bin – auch wieder sehr spontan – beim Pianoteq (Modartt) hängen geblieben. Diese Software basiert nicht auf einer Sample-Library, sondern auf „Physical Modeling” (wie auch das von Dir erwähnte Roland-Piano). Offenbar ist der Klavier-Restaurator und Mathematik-Professor Modartt weltweit der erste/einzige, der die Probleme der Simulation eines Klaviers in Software definitiv in den Griff bekommt. Vom Klangresultat und – besonders – der Spielbarkeit vom Pianoteq war ich auf Anhieb begeistert.

Kurz noch ein paar Stichpunkte, falls Du eine Computer-Lösung in Erwägung ziehst:

  • An der Tastatur sollte man mE. erst ganz zuletzt sparen. Software läßt sich relativ kostengünstig tauschen, wenn man nicht zufrieden ist; bei Hardware greift man idR deutlich tiefer in die Tasche.

  • Computerleistung spielt heutzutage keine Rolle mehr; allenfalls sehr aufwändige Sample-basierte Lösungen brauchen ein 64bit-Betriebsssystem und mindestens 8GB Speicher (und selbst das ist heutzutage Standard für fast jedes Notebook aus der Grabbelkiste).

  • Die preiswerten StudioLogic-Keyboards haben "nur" MIDI – man braucht eine Soundkarte mit MIDI-In. Bei anderen Keyboards gibt es einen USB-Anschluß für Verbindung mit dem Computer sowie Stromversorgung (was sehr gut und problemlos funktioniert).

  • Man braucht eine ordentliche Soundkarte/Audiointerface. Soundkarten für den Consumer-Bereich haben zu hohe Latenzen für die Anforderungen von Live-Input.

    Ich habe zwei Interfaces von Focusrite, darunter ein Scarlett 2+2-USB (für unter €200,-). Latenzen von <5ms sind damit problemlos machbar, und die Verzögerungen sind auch für oberkritische Musiker nicht mehr wahrnehmbar (nicht, daß es nicht trotzdem einige Zeitgenossen gäbe, die etwas anderes behaupten).

  • Endverstärker: eine Stereoanlage geht natürlich auch. Wenn man das Thema ernsthaft angeht, kommt man aber mE. um ordentliche Studiomonitore und ein kleines Mischpult nicht herum.

    Ich habe seit ca. 20 Jahren ein Event 20/20-Pärchen auf meinem Schreibtisch, und gebe es auch nicht mehr her (ich benutze es nicht nur mit dem Computer, sondern für jede Form von Wiedergabe von Musik). Der Klang ist knochentrocken und unverfälscht, ohne Schönfärberei, anders als bei dem meisten (hochpreisigen) HiFi-Equipment.

    Mischpulte von Mackie gehören zum Standard in professionellen Studios, wobei Mackie auch kleine Pulte baut (ich habe ein 1202-VLZ3).

  • Das ist länger geworden als geplant – ich hoffe, es hilft.

    Ciao, Michael

    4.9.2014

    Working (with) Legacy Code

    First of all: never (ever) assume you're confronted with bad code.

    People that wrote it are probably as smart as you are – maybe even smarter, since they (sometimes) wrote code that make a product that sells pretty well over a couple of decades.

    So here we go (and I have just two points):

  • Don't change code only because you assume that it has faults.

    You have to prove that, first (using debugger / profiler). We are not in a beauty contest, here.

  • Don't change interfaces.

    Changing the behavior of a Class / Method is no problem, if that Class / Method is used in a precisely defined, local context. Changing interfaces of Classes / Methods that are wildly used in a complex application are a no-go even in the context of a quasi-automated Refactoring.

    Don't do that. Use the Compiler to unveil your errors: rename a Class / Method that needs a new behavior, and let the Compiler's errors lead your way thru.


  • Sidenote:

    If some code doesn't do what you assumes it should do, that doesn't mean someone else shares your assumptions (and your reasons for changing it's behavior).

    She might rely on some assumptions that might seem stupid to you, but she might rely on them for good reasons (even if those reasons are founded on a reality that goes decades back).

    2.9.2014

    Man kann den Neoliberalismus nicht marxistisch erklären

    […]

    Die Ideologie der Community oder der kollaborativen Commons führt zur Totalkapitalisierung der Gemeinschaft. Es ist keine zweckfreie Freundlichkeit mehr möglich. In einer Gesellschaft wechselseitiger Bewertung wird auch die Freundlichkeit kommerzialisiert. Man wird freundlich, um bessere Bewertungen zu erhalten. Auch mitten in der kollaborativen Ökonomie herrscht die harte Logik des Kapitalismus. Bei diesem schönen "Teilen" gibt paradoxerweise niemand etwas freiwillig ab. Der Kapitalismus vollendet sich in dem Moment, in dem er den Kommunismus als Ware verkauft. Der Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution.

    (Byung-Chul Han in derSZ; Hervorhebung von mir.)

    27.8.2014

    Notiz

    Es sieht wohl so aus, als wäre mein Blog tot – ist er aber nicht.

    Ich bin momentan mehr als gut mit dem nächsten Update von Cubase beschäftigt, so daß ich schlicht keine Zeit habe für irgend etwas anderes.

    Dabei bin ich, abends, damit beschäftigt, Musik zu machen.

    Whatever: zwei Wochen noch und der Rest von dieser, dann habe ich drei Wochen Urlaub (und den Fotoapparat statt der Computertastatur unter den Fingern).


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