15.4.2014

Die Lösung der Probleme Europas scheitert an der deutschen Export-, der britischen Finanz- und der französischen Energielobby.

Europa hat drei tiefgreifende ökonomische Strukturprobleme: Die Polarisierung des Standortwettbewerbs, die Unfähigkeit zur Restrukturierung der Finanzwirtschaft und der Unwille, die Energiewende voranzutreiben. Die deutsche Exportindustrie, der britische Finanzsektor und die französischen Energiekonzerne torpedieren derlei Reformvorhaben. […]

[…]

Deutschland erachtet kurzfristige Erfolge für den nationalen Außenhandel als relevanter als die langfristige Prosperität der Union. Durch den von Deutschland radikal vorangetriebenen Standortwettbewerb (Stichwort Lohnzurückhaltung) wächst die deutsche Wirtschaft wesentlich langsamer als beispielsweise jene der USA. Die durch Deutschlands Politik mitverursachte Gesamtstagnation der EU lässt die Performance der Bundesrepublik jedoch verhältnismäßig gut erscheinen.[…]

[…]

Die Stärke der Industrie innerhalb der deutschen Wirtschaft (unter den 30 größten Unternehmen befinden sich 15 Produktionsbetriebe) bringt eine entsprechend einflussreiche Exportlobby mit sich, die bereits Teil der nationalen Identität geworden ist. Diese Exportlobby setzt alles daran, die gesamtwirtschaftlich schädliche preisliche Unterbewertung deutscher Waren zu prolongieren.

(The European; Via)

Der Artikel von Nikolaus Kowall bringt die Grundprobleme der europäischen Wirtschaftsmisere in denkbar knappster Form auf den Punkt.

10.4.2014

Prime Lens (Festbrennweiten)

(Canon 6D; Canon EF 135mm f/2.0)

(Canon 6D; Canon EF 85mm f/1.8)

Es gibt ja viele Stufen, die den „Knipser“ vom „Fotografen“ unterscheiden. Spätestens, wenn man eine Vollformat-Kamera mit Objektiven mit Festbrennweiten benutzt, ist man – zumindest auf technischer Ebene – soweit, daß man kaum etwas besser machen kann.

Man sollte dann allerdings etwas vorzuweisen haben, was meine beiden Shots oben (die nicht mehr sind als ein Test technischer Möglichkeiten) deutlich überbietet: gute Fotos.

7.4.2014

Prospect (Short Film)

Ein kleiner, stiller Film mit schönem Soundtrack und einer Optik, die durchaus eigenständig daher kommt – sehr sehenswert, wie ich finde.

„Prospect” premiered at the 2014 SXSW Film Festival.

1.4.2014

Eurokrise - Yanis Varoufakis: I see the Nazis already in power

NachDenkSeiten: Do you see a danger that the Chrysi Avgi would actually become the largest party at some point?

Yanis Varoufakis: I don’t see that, but what I see is something worse. I see the Nazi party, Chrysi Avgi, already in power. They are already in power as we speak! They’re not in government, which is a form of irony. Let me give you an example which made me feel deeply ashamed to be Greek.

Before the May, 2012 elections, the police apprehended a very large number of women on the streets of Athens, women that looked disheveled, that were possibly prostitutes. They were apprehended without warrant, without cause, on the order of the Ministers of Public Order and Health. They were thrown into cells, then photographed and subjected by force to HIV tests. When the results came back, those whose HIV tests were negative were released but the rest were photographed, their photographs and their names were posted on the government website and the women themselves, without any counseling or genuine medical assistance, were thrown in jail. That runs in the face of every liberal and constitutional norm or piece of legislation that I can think of, and it violates public health guidelines; it violates constitutional rights. Now, why did they do that? Well they acted that way in order to placate Chrysi Avgi, Golden Dawn, potential voters, and to try to lure them into voting for them, away from Golden Dawn.

(Via NachDenkSeiten; siehe auch: Yanis Varoufakis' Blog.)

25.3.2014

Gravity - Soundtrack

(Gravity Filmkritik)

Der Soundtrack von „Gravity“ steht unter der Prämisse: Outer Space ist lautlos. Es gibt dort keinen „Sound“. Der Film löst diese Zusage an die Realität auch ein – dafür kommt einem allerdings einiger Krach aus den Lautsprechern entgegen, der beim ersten Sehen schon einige Fragezeichen im Kopf entstehen läßt.

Man muß erst einmal darauf kommen (bzw. sich darauf einlassen), daß aller Sound dort Musik ist. Wenn Ryan, in der ISS endlich angekommen, der Weltraummüll um die Ohren fliegt, und es in der akustischen Kulisse laut wird, hat man erst einmal den Eindruck, daß die Sounddesigner es hier richtig krachen lassen. Tatsächlich ist dies jedoch ein Beitrag des Komponisten (Steven Price), der hier für ein Orchester schreibt. Das sind an dieser (und an der einen oder anderen) Stelle eben keine Effekte, sondern Musik für Orchester (i.e. akustische Instrumente).

Das wird ein wenig überdeckt durch die Musik im Finale, die leicht von Hans Zimmer stammen könnte: im Feuersturm der Rückkehr Ryans zur Erde gibt es einen großen Chor, reine Dur- und Mollakkorde, und ganz viel Pathos. Das hätte man anders komponieren können.

Der eigentliche Soundtrack – jenseits der Musik – ist umso faszinierender. Man hört die Geräusche – Stimmen, Funkverkehr, Werkzeuggebrauch – aus der subjektiven Wahrnehmung der Protagonisten. Wenn Ryan einen Schraubenzieher verwendet, hört man das Gejaule des Werkzeugs, wie es die Berührung ihrer Hand mittels des Handschuhs in ihren Raumanzug überträgt. Der Geräuscheffekt hier ist – wie an vielen anderen Stellen auch – beklemmend, klaustrophob. Man bekommt den Eindruck, selber im Raumanzug zu stecken, getrennt von allem Kontakt zur Außenwelt. In anderen Worten: der Zuschauer teilt das Ohr des Protagonisten. Ich finde es extrem spannend, wie mächtig das ist; dieses Hören; welche Wirkung das hat.

Last, not least: in „Gravity“ gibt es mE. den ersten Soundtrack, der Surround-Sound nicht als obligatorischen Effekt nutzt, sondern inhaltlich sinnvoll verwendet. Das betrifft zum einen die Musik: im Beispiel oben – Ryan fliegt der Schrott bei der ISS um die Ohren – kommt sie aus der Richtung, wo die Handlung spielt; im Beispiel: von hinten rechts. Auch die Sprache kommt nicht immer aus dem Center-Speaker, sondern ist im Raum verteilt: wenn Matt zu Ryan spricht, kommt dessen Text aus jener Richtung im Surround-Raum, den man, als Zuschauer, aus der subjektiven Sicht von Ryans Ort einnimmt.

Not least, but first: die Szene, in der Ryan vom Space Shuttle weggeschleudert wird. Die Kamera wechselt in einer langen Sequenz aus der Perspektive des Beobachters (in der der sich chaotisch drehende Astronaut gezeigt wird) in die subjektive Sicht Ryans: die Welt dreht sich vor ihren Augen, in einem Atem nehmenden Tempo. Langsam, ganz langsam, bewegt sich die Kamera auf das Visier von Ryans Raumanzug, durchbricht es schließlich, wechselt auf ihre subjektive Sicht. In dem Moment, wo die Kamera das Visier durchschießt, bricht auch der Soundtrack: die Breite des Sourround wird abgelöst von Musik aus dem Center-Speaker; plötzlich wird die Musik geradezu degradiert zu einer Begleitung von Ryans panischen Atemgeräuschen; der Soundtrack forciert geradezu die Identifikation mit der subjektiven Sicht Ryans – ein ganz großer Moment.

21.3.2014

Joseph Stiglitz: Das Versagen unserer Eliten, zu Lasten der Mehrheit

[…]

Das reale (inflationsbereinigte) BIP pro Kopf ist heute in den meisten Teilen des Nordatlantikraums niedriger als 2007. Die griechische Volkswirtschaft ist um etwa 23 Prozent geschrumpft, und Deutschland, das europäische Land mit der besten Wirtschaftsentwicklung, wies während der letzten sechs Jahre ein armseliges Wachstum von durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr auf. Die US-Wirtschaft ist noch immer rund 15 Prozent kleiner, als sie es selbst bei Beibehaltung des bescheidenen Trendwachstums vor der Krise gewesen wäre.

Doch selbst diese Zahlen erzählen noch nicht in aller Härte, wie schlecht es steht, weil das BIP kein guter Erfolgsmaßstab ist. Viel relevanter ist die Entwicklung der Haushaltseinkommen. Die mittleren Realeinkommen in den USA liegen heute unter dem Niveau von 1989, also vor einem Vierteljahrhundert, und die mittleren Einkommen vollzeitbeschäftigter männlicher Arbeitnehmer sind heute niedriger als vor über 40 Jahren. […]

Die Märkte korrigieren sich nicht selbst. Die oben skizzierten grundlegenden Probleme könnten sich weiter verschärfen, und viele tun es bereits. Ungleichheit führt zu einer schwachen Nachfrage; zunehmende Ungleichheit schwächt die Nachfrage weiter – und in den meisten Ländern (einschließlich der USA) hat die Krise die Ungleichheit lediglich verschärft.

[…] Unsere derzeitigen Probleme [sind] das Ergebnis einer falschen Politik. Es gibt Alternativen. Aber wir werden sie nicht in der Selbstzufriedenheit der Eliten finden, deren Einkommen und Aktienportfolios einmal mehr steil wachsen.

Nur bestimmte Leute, so scheint es, müssen sich an einen dauerhaft niedrigeren Lebensstandard gewöhnen. Unglücklicherweise ist das die Mehrheit.

(Blätter)


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