18.8.2010

Vergewaltigungsdebatten

Ich schaue gerade ein wenig genauer hin, wie es um die aktuelle Genderdebatte steht, und bastele an der Formulierung eines eigenen Standpunkts. Dabei finde ich einen überraschend breiten Bereich von Meinungen und Einordnungen, denen ich nicht ohne weiteres widersprechen mag, die bei mir aber ein eher unbehagliches Gefühl hinterlassen.

Da wäre z.B. die Debatte über die Causa Jörg Kachelmann. Julia Seeliger zieht in einem Rant in der TAZ über einen Beitrag (den ich mich weigere, hier zu verlinken) der BILD-Werbeikone Alice Schwarzer her, wobei in Seeligers Artikel u.a. dieser Satz fällt:

Wenn die Frau ‚Ja‘ sagte und ‚Nein‘ meinte, ist das auch noch keine Vergewaltigung, so sehr Beziehungen mit ungleich verteilter Macht zu kritisieren sind.

Im Mädchenblog wird über dieses Statement heftig diskutiert, wobei Argumente aus dem Diskurs des aktuellen Feminismus vorgebracht werden, die ich bisher nicht kannte – Stichwort: „Definitionsmacht“.

Nehmen wir an, auch fahrlässige sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung würde zu einem Straftatbestand – wäre das dann wirklich so unzumutbar? Unzumutbar zuzugeben, unwissentlich gegen den Willen des Opfers gehandelt zu haben (und nicht bestraft zu werden) und ggf. zuzugeben, die Situation nicht sorgfältig genug beobachtet zu haben (und wegen einer Fahrlässigkeitstat bestraft zu werden)?

(Aus einemKommentar im Mädchenblog)

Mir leuchtet das Argument durchaus ein – wobei ich mich frage, warum man ausgerechnet an dieser Stelle zu einem Verfechter des formalisierten Rechts zur Lösung partnerschaftlicher Konflikte werden muß, um es zu teilen.

Gewissermaßen im negativen Spiegel findet sich die Debatte bei Weissgarnix um den „Fall“ Nadja Benaissa:

Eine Schlagzeile, der anno 2010 etwas Sonderbares, ja Beklemmendes anhaftet: “Nadja Benaissa gibt ungeschützten Sex zu”. Muss man ungeschützten Sex zugeben? Kann man ungeschützen Sex überhaupt “zugeben”? Ist das als unilateraler Akt denkmöglich? “Ich habe ungeschützten Verkehr gehabt”? Kann ich für etwas die Schuld auf mich nehmen, zudem nach Lage der Dinge mindestens zwei gehören?

Ich habe hier – trotz Erfahrung und Einsicht – letztlich keine Meinung (ich habe ein paar Ahnungen, aber die führen hier momentan auch nicht wirklich weiter).

Dabei muß ich bekennen, daß ich ein großer Fan von David E. Kelley bin – und bei einer Folge von Married… with Children bin ich mindestens am Kichern, oft aber kurz vorm Tod durch Sauerstoffentzug aufgrund übermäßigen Gelächters.

Nachtrag: Ich hatte vergessen, die Antwort von Julia Seeliger zu den Vorwürfen im Mädchenblog zu verlinken. Dort in den Kommentaren findet sich ein Statement vonAntje Schrupp, das die ganze Debatte über das Für und Wider von legalistischen Lösungen ins Absurde dreht – wobei Seeliger (in ihren Kommentaren zu den Kommentaren) einen guten Job tut, es zu ignorieren.

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