27.1.2010

Bildermaschinen (3)

(Themenanfang)

Bayer-Sensor

Wenn man digitale Fotos im Computer nachbearbeitet, geht es zunächst gar nicht um Retuschen, Montagen oder andere, mehr oder weniger spektakuläre Effekte, sondern um eine angemessene Interpretation der Daten auf dem Fotochip. Dabei muß man sich klar machen, daß die belichteten Pixel keine Farbinformationen enthalten, sondern nur indirekt auf die Farben geschlossen werden kann. Bevor das Licht auf den Fotochip trifft, wird es durch einen Filter geleitet, der die primären Farben des RGB-Modells enthält. Oben - in der Abbildung - kann man sehen, daß pro RGB-Farbe vier Pixel verwendet werden (davon zweimal grün). Die 10Mio. Pixel meiner E-520 haben also nur 2.5Mio. Farbinformationen, die von einer Software auf die restlichen Pixel hochgerechnet werden müssen. Dadurch verliert das Foto an Schärfe – ein Umstand, der in der digitalen Nachbearbeitung eine wesentliche Rolle spielt, wenn es darum geht, ein Bild nachzuschärfen[1].

Das zweite große Thema findet sich in der Interpretation der Helligkeitswerte. Dabei spielt zunächst der sog. Weißabgleich[2] eine wichtige Rolle. Die meisten Kameras bekommen das bereits mit ihrer eingebauten Automatik ganz gut hin; trotzdem kann man oft erstaunliche Dinge aus einem Foto herausholen, wenn man nachträglich am Weißabgleich dreht. Hierbei geht es um den Effekt, daß weiße Farbe auf einem Foto niemals wirklich weiß ist, sondern durch das Umgebungslicht in eine bestimmte Tönung getaucht wird. Im Sonnenschein färbt der blaue Himmel scheinbar farbneutrale Flächen, und im Kunstlicht bekommt ein Foto einen Stich ins Braune. Wenn man diese Effekte nachträglich ins Kalkül zieht, kann man bestimmte durch unterschiedliches Licht erzeugte Stimmungen verstärken, oder überhaupt erst erzeugen.

Histogramm

Eine ähnlich wichtige Rolle spielt die Manipulation der Grauwerte[3]. In den meisten Fotos gibt es weder ein echtes Schwarz, noch rein weiße Flächen, sondern einen Bereich zwischen mehr oder weniger hell- bis dunkelgrau, bzw leicht bis satt farbig. Dadurch wirken viele Fotos matt und kraftlos. Wenn man die Grauwerte[3] so manipuliert, daß sämtliche Abstufungen im Foto vorkommen, bekommt man nicht nur weitaus knackigere Farben, sondern auch den Eindruck erhöhter Schärfe und Tiefenwirkung.

Ich möchte hier nicht weiter in die Tiefe gehen – dazu fehlt mir einerseits die Erfahrung, andererseits will ich auch kein Tutorial zur digitalen Bildbearbeitung schreiben. Mir geht es an dieser Stelle lediglich darum, mit dem Eindruck aufzuräumen, daß man in der digitalen Fotografie nur ein paar Knöpfe zu drücken hat, um hinterher ein fertiges, nicht weiter verbesserungsfähiges Bild in der Hand zu halten. Im Gegenteil: die Arbeit am Computer, bei der man die Rohdaten „entwickelt“, ist nicht weniger komplex und anspruchsvoll, als die Arbeit im analogen Fotolabor. Hier wie dort gibt es kein Schema, das man einfach befolgen muß, um ein optimales Resultat zu erzielen. Vielmehr braucht es viel Wissen und intuitives Können, um zu einem überzeugenden Ergebnis zu gelangen - und spätestens hier treffen sich die Pfade.

  1. [1] Es führt an dieser Stelle zu weit, auf die Einzelheiten einzugehen; eine gute Einführung in das Thema gibt es im DSLR-Forum.
  2. [2] Anmerkung MP: Während das menschliche Auge in jeglicher Umgebung den jeweils hellsten Bereich des Sichtfeldes als "reinweiß" wahrzunehmen gewohnt ist, gilt dies für die Foto-/Videografie nur sehr eingeschränkt.
  3. [3] Ich hatte ursprünglich von "Farbraum" gesprochen - Anmerkung MP: "Farbraum" passt nicht so ganz (das sagt man, um RGB, SW und CMYK zu unterscheiden). Grauwerte wäre m.E. richtiger (Fachsprache = Gammawert).
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