4.1.2010

Weißabgleich

Ich spiele gerade mit einem zentralen Feature der Digitalfotografie – der Möglichkeit zu einem nachträglichen Weißabgleich. Um dies nur kurz anzudeuten: „Weiß” ist nicht weiß, sondern hat, je nach Tageszeit und Beleuchtung, eine jeweils völlig unterschiedliche Farbe. Ein Betrachter „sieht” eine Fläche nur deshalb als weiß, weil er sie so konstruiert. Wenn man dort das Farbspektrum objektiv bestimmt, kommen komplett unterschiedliche Werte heraus, je nachdem, ob man sie bei Sonnenschein, im Abendlicht, oder in der Nacht im Mond- oder Kunstlicht mißt. Beim Weißabgleich versucht man, dieses subjektive Farbempfinden auszugleichen, indem man das komplette Farbspektrum verschiebt – nur um gleich in die nächste „konstruktive Falle” zu laufen: an welcher Stelle ist in einer Aufnahme etwas „weiß”?

Hier kommt zweimal dasselbe Foto, einmal mit einem Weißabgleich, der die Fahrbahnmarkierungen als "weiß" definiert:

... und ein zweiter Versuch, der eines der hell erleuchteten Fenster als Referenz verwendet:

Das ist zweimal exakt dasselbe Foto (auch die Nachbearbeitung ist – abgesehen vom Weißabgleich – identisch) – und trotzdem scheinen nicht nur die Farben unterschiedlich, sondern auch Blickwinkel und Tiefenwirkung. – Das obere Foto hat nicht nur eine kalte Farbe, sondern wirkt auch flach und ohne Tiefe. Das zweite Foto hingegen wirkt dreidimensional, warm, und tief (allerdings vergleichsweise kontrastarm).

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