11.4.2009

Improvisation in der Musik (14)

(Themenanfang)

[Ich hatte noch einen Punkt vergessen. Die folgenden Absätze gehören direkt hinter den Eintrag über „Inside-Out”.]

Ein wichtiger Punkt soll noch erwähnt werden, dessen Bedeutung man gar nicht unterschätzen kann, obwohl er bislang noch in jeder Harmonielehre fehlt: das Material, das für ein bestimmtes Instrument verfügbar ist, unterscheidet sich stark je nach der Lage im Tonraum, in dem dieses unterwegs ist.

Meine Ausführungen über „Superstructures” und „Inside-Out” sind vergleichsweise mager geraten, einfach weil ich als Bassist nur wenige Gelegenheiten gefunden habe, wo man sie auf meinem Instrument wirksam unterbringen kann. Normalerweise wird ein Baßsolo von einem eher zurückhaltend gespielten Schlagzeug und sparsamen Einwürfen durch das Klavier begleitet. Das Fundament der Grundtöne verschwindet jetzt völlig, und auch die Logik der Akkordfortschreitungen läßt sich eher erahnen als wirklich hören. Wenn man jetzt auf dem Baß auch noch in die Tensions einsteigt, wird das leicht ein chaotischer Haufen von Tönen, die keiner erkennbaren Logik folgen. Viele Baßsoli verwenden deshalb Tonmaterial, das auch für die Begleitung taugt - nämlich (im Schwerpunkt) Grundton und Quinte -, ohne daß sie dadurch spannungslos oder altbacken wirken.

Umgekehrt läuft das Solo eines hohen Instruments (Saxophon, Trompete) leicht in Gefahr, wie ein Abklatsch der Improvisationen im Swing zu klingen, wenn es sich auf den Bereich der Terz und Septe beschränkt. Damit verdoppelt es letztlich nur jene Töne, die auch das Klavier in seiner Begleitung hervorhebt und betont. Erst recht gilt dies angesichts einer Begleitung, die mit Akkorden arbeitet, in denen stark alterierte Töne oder solche aus den „Upper Structures” verwendet werden. Dann kann es regelrecht falsch klingen, wenn das Solo im Tonraum darüber auf den Basisintervallen herumreitet - hier sind ausgiebige Konzepte für Inside-Out geradezu verpflichtend.

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