10.2.2009

Peter Watson - Ideen (2)

Peter Watson unternimmt auf knapp 1200 Seiten einen Streifzug durch die Ideengeschichte der Menschheit - „from fire to Freud”, wie der englische Untertitel lautet. Dabei geht es nicht nur um die naturwissenschaftlichen Entdeckungen aller Zeiten, sondern auch um philosophische und religöse Ideen und Bewegungen, wie den gesellschaftlichen Wandel, den sie ausgelöst haben.

Nachdem ich anfangs recht begeistert war - von der Frühgeschichte der Menschheit weiß ich nur sehr wenig -, ließ meine Leselust umso mehr nach, je weiter es um geschichtliche Zeiten und Sachgebiete ging, über die ich bereits zuvor einiges wußte. Watsons Behauptung, daß Papst Gregor VI. die Gregorianik im 6.Jh. „erfunden” hätte, wird zwar in vielen Büchern kolportiert, ist aber in der Forschung längst wiederlegt. In einem Satz über die Entstehung der öffentlichen Konzerte wie:

...schürten die Nachfrage nach einer ganz bestimmten Art von Musik, wovon zuerst Haydn und anschließend Händel begünstigt wurden - denn es war die Symphonie, die jetzt ihren Siegeszug in der neuen, musikbegeisterten Öffentlichkeit antrat.

finden sich gleich drei Fehler: erst kam Händel, dann Haydn; Haydn hat nicht für die Öffentlichkeit seine Symphonien geschrieben, sondern für den Hof der Esterhazys; und bei den Werken, die Händel der Londoner Öffentlichkeit präsentierte, handelte es sich nicht um Symphonien, sondern um Oratorien. - Endgültig peinlich wird das im 30. Kapitel, in dem Watson einige merkwürdige Thesen zum Begriff der Romantik vertritt, und sich in höchst fragwürdige Behauptungen über Beethoven und Wagner versteigt.

Aber auch in anderen Gebieten bin ich nicht wirklich einverstanden: über die amerikanischen Pragmatiker des 19.Jh gibt es ein eigenes Kapitel (was ich prinzipiell begrüße, weil ich die dort erwähnten Namen zuvor noch nicht kannte) - über Kant, Schopenhauer und Nietzsche finden sich hingegen nur wenige Sätze, die schon aufgrund ihrer Knappheit letztlich falsch sind (was die Proportionen grotesk verzerrt). Geschichte ist für Watson seit der Renaissance ein stetiger Fortschritt zu mehr Aufklärung, Säkularisierung und wissenschaftlicher Erkenntnis, wobei er die Katastrophe, in die dieser Weg geführt hat, nur am Rand erwähnt und nicht zur Kenntnis nimmt. - Usf.

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