20.11.2008

Musikproduktion am Computer (3)

(Themenanfang)

Mit dem Begriff „Musikproduktion” fasse ich zwei Gebiete zusammen, die zwar eng miteinander zusammenhängen und in der Praxis idR ineinander übergehen, die aber dennoch eine ganz verschiedene Herangehensweise an das Material darstellen, und auch recht unterschiedliche Werkzeuge erfordern. Ich meine die Komposition auf der einen, und das Abmischen auf der anderen Seite.

Komponieren kann man auch am Klavier, oder sogar nur mit Bleistift und Notenpapier. Der Computer kann hier helfen, indem er die Einfälle sofort hör- und damit kontrollierbar macht – und zwar auch solche, die man selber gar nicht spielen kann. Außerdem läßt sich mit allen Ebenen des musikalischen Materials im besten Sinn des Wortes spielerisch umgehen: man kann einen Ton mit einem Mausklick in der Tonhöhe und der Lautstärke, aber auch im zeitlichen Verlauf oder in der Klangfarbe verändern. Auch auf der übergeordneten formalen Ebene kann man leicht Experimente anstellen, indem man die Abfolge ganzer formaler Blöcke mit wenigen Mausklicks verändert. Ein Bigband-Arrangement oder eine ganze Orchesterpartitur läßt sich unter ständiger visueller und akustischer Kontrolle zusammenbauen, ohne daß der Komponist sich das mit seinem inneren Ohr lediglich vorstellen muß.

Dem gegenüber steht die Aufgabe, am Computer eine gegebene Komposition zum Klingen zu bringen, d.h., aus Rohmaterial eine Audiodatei zu generieren, die man für den Endgebrauch auf eine CD brennen kann. Hier geht es nicht darum, einzelne Töne, Akkordfortschreitungen oder formale Blöcke zu editieren; es geht um die Ebene des Klanges in all seiner Komplexität. Ein Schlagzeug-Set etwa braucht überzeugende Sounds für Bassdrum, Snare und Becken, wenn man es mit einem Drumcomputer zu tun hat. Selbst ein live eingespieltes Set wird mit einer ganzen Anzahl von Mikrophonen aufgenommen, die eine ebenso große Anzahl von Audiospuren ergeben, die klanglich nachgearbeitet und gegeneinander abgemischt werden müssen. Nicht zuletzt geht es darum, die einzelnen Schlaginstrumente im Raum anzuordnen, und zwar einmal im Stereo-Panorama, und zum anderen in der räumlichen Staffelung von "vorne" und "hinten" – von einem Surround-Mix ganz zu schweigen.

Diese beiden Aufgaben überlappen sich in der Praxis natürlich. Wenn man vor einem Drumcomputer sitzt, werden sich die Erfindung der Grooves und die Auswahl der Sounds einander bedingen, und bei der Arbeit an einer Orchesterpartitur wird man seine Sample-Library so auf dem Mischpult organisieren, daß die ersten Geigen links, und die Celli rechts zu hören sind. Viele Stücke leben von ihrem Klang, und dort wird der Sound gleichzeitig mit den harmonischen oder formalen Strukturen entwickelt. Aber auch ein Komponist "klassischer" Musik mag zu einem Punkt kommen, wo ihn der Klang der Instrumente des virtuellen Orchesters in seinem Studio zu neuen Ideen inspiriert.

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