1.9.2008

Notizbuch (Beethoven vs. Schönberg)

In der Tat fällt denn auch in die Auffassung des Publikums von traditioneller Musik nur das Allergröbste, Einfälle, die sich behalten lassen; ominös schöne Stellen, Stimmungen und Assoziationen. Der musikalisch Zusammenhang, der den Sinn stiftet, bleibt in jeder frühen Beethovensonate dem durch Radio dressierten Hörer nicht weniger verborgen als in einem Schönbergquartett, das ihn wenigstens daran mahnt, daß der Himmel nicht voll der süßen Geigen hängt, an deren süßen Ton er sich weidet.

(Adorno, Philosophie der neuen Musik)

Das Zitat wird nicht dadurch entwertet, daß es so oft auftaucht - ich war mir eigentlich sogar sicher, es hier im Blog schon einmal gebracht zu haben. In meinen Augen bringt es das zentrale Dilemma der gesamten Kunstrezeption durch das "breite Publikum" schlagend auf den Punkt - und wie milde Adorno hier letztlich noch formuliert, zeigt seine Rede vom "durch Radio dressierten" Publikum. Wenn er den heutigen massenmedial zugerichteten Hörer gekannt hätte, wäre sein Urteil weit vernichtender ausgefallen.

Jedoch:

Dies ist nur Musik; wie muß vollends eine Welt beschaffen sein, in der schon Fragen des Kontrapunktes von unversöhnlichen Konflikten zeugen. Wie von Grund auf verstört ist Leben heute, wenn sein Erzittern und seine Starre dort noch reflektiert wird, wo keine Not mehr hineinreicht, in einem Bereich, von dem die Menschen meinen, es gewähre ihnen Asyl vor dem Druck der grauenvollen Norm, und das doch sein Versprechen an sie nur einlöst, indem es verweigert, was sie von ihm erwarten.

Ich mache einen kläglichen Versuch, zu übersetzen: Adorno ist so weit das nur irgend geht davon entfernt, das Publikum zu beschimpfen.

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