7.8.2008

Franz Schreker - Die Gezeichneten (4)

(Teil 1, 2, 3)

Gestern und heute Abend habe Akt 2+3 gesehen und gehört. An meinem vorläufigen Urteil kann ich festhalten, sogar noch einiges an Enthusiasmus hinzutun.

Der zweite Akt ist weitaus leiser - gleichsam gedämpfter getönt - als der erste. Er schließt ab mit einem ganz wunderbaren Duett zwischen Alviano und Carlotta, für das ich in der Operngeschichte keinen Vergleich finde: derart nuanciert zwischen Zweifel und Gewißheit hat sich zuvor noch kein Liebespaar gegenseitig angesungen.

Der dritte Akt ist mit seiner einzigartigen Behandlung des Chors sicherlich der Höhepunkt der Oper: einen Chor setzt "die Oper" gewöhnlich dann ein, wenn es laut werden soll, und man die Hörer mittels Massierung des Klanges zu überwältigen sucht - nichts davon hier. Nur ein Beispiel: nachdem der Herzog Alviano angeklagt und verurteilt hat, geht ein Murren und Zweifeln durch die Masse, die einfach nicht glauben mag, daß der Wohltäter zum Mädchenräuber wurde: die Behandlung des Chors in dieser Passage - zerflatterte Einzelstimmen zwischen punktuellen Statements vom Orchester - ist ohne Vorbild und schlicht grandios.

Im Abspann der DVD sieht man, wie das Salzburger Festspielpublikum die Protagonisten feiert. Ausnahmsweise trifft es die Richtigen: Anne Schwanewilms (Carlotta) bekommt ebenso Ovationen wie Robert Brubaker (Alviano), wie zuvor der auch darstellerisch überaus überzeugenden Michael Volle (Vitelozzo). Als Kent Nagano auf die Bühne gebeten wird, ist der Jubel auf dem Höhepunkt (wäre ich im Publikum gewesen, hätte ich sicherlich ein paar "Bravos" beigesteuert).[1][2]

  1. [1] Auch die für die Inszenierung verantwortliche Crew wird freundlich verabschiedet - sehr zurecht, wie ich finde, wobei ich keine rechte Lust habe, in die Details zu gehen.
  2. [2] In diesem Jubel (an dem ich mich selber gerade beteilige) geht freilich regelmäßig unter, welchen Preis man für ihn verlangte. Ich kann es hier nur andeuten: Schreker starb 1934 an Verzweiflung am Schicksal, das ihm der Größte Wagnerianer Aller Zeiten zugedacht hatte.
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