28.5.2008

Netzwerkprodukte (12)

(Themenanfang)

Wenn man mit Software Geld verdienen will, steht man vor dem gleichen Problem, das auch die Musikindustrie fast in den Ruin getrieben hat: die User können in beiden Fällen kostenlose Kopien herstellen, die sich in nichts vom Original unterscheiden. Man kann das für moralisch verwerflich halten, beim Gesetzgeber Initiativen zum Schutz des geistigen Eigentums einfordern und versuchen, über Kopierschutzmaßnahmen die Leute zum Kaufen zu zwingen: erfahrungsgemäß ist all dies nutzlos und verhindert nicht die Verbreitung privater Kopien. - Zunächst einmal halte ich es deshalb für extrem unintelligent, wenn man, wie die Musikindustrie, an einem Geschäftsmodell festhält, von dem man gesehen hat, daß es nicht funktioniert.

Dazu stellt sich die Frage, wie man jene Bits und Bytes definiert, aus denen eine CD oder eine Software besteht. Schließlich gehört es zum Wesen digitaler Daten, daß sie verlustfrei kopierbar sind. Darüber hinaus haben sie aber noch einen Inhalt - sie sind das Resultat einer geistigen Leitung, so wie das auch bei einem Buch der Fall ist. Schon seit Gutenberg streitet man über den Begriff des geistigen Eigentums, von einem Moment an also, als es zum ersten Mal möglich wurde, Gedachtes - bzw. dessen materiellen Niederschlag - mechanisch zu reproduzieren. Das Problem ist also satte fünfhundert Jahre alt, so daß man sich wundern muß, warum es bislang nicht gelöst wurde, sondern mit derartiger Leidenschaft auch heute im Zentrum der Debatte steht.

Im Zusammenhang geht es um zwei zentrale Aspekte, die konträre Interessen betreffen. Zum einen beanspruchen die Autoren Urheberschutz[1], weil sie ihre ökonomische Existenz gefährdet sehen, wenn sie nicht an der Verbreitung ihrer Ideen beteiligt werden. Zum anderen berufen sich Kopisten wie ihre Nutznießer auf die Meinungsfreiheit, für die der freie Fluß, die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Ideen und Informationen unabdingbar sei.

In der ursprünglichen Variante dieses Konflikts kurz nach der Erfindung des Buchdrucks wird das sehr schön deutlich. Wo es zuvor das Privileg weniger war, durch das Lesen fremder Gedanken den eigenen Horizont zu erweitern, gab es plötzlich einen enormen Sprung beim Wissen über die Welt, verbreitet nicht nur über (immer noch kostbare) Bücher, sondern über massenhaft gedruckte Aushänge und Flugblätter. Ohne jenen technologischen Sprung bei der Reproduktion von Wissen wäre Luthers Reformation ebenso wenig denkbar wie die Rolle der Aufklärung bei der Vorbereitung von Demokratie und Rechtsstaat [2]. Dabei ist es dann ausgerechnet Kant, der eine Abhandlung "von der Unrechtmässigkeit des Büchernachdrucks" schreibt, und damit mutmaßlich die erste moderne Fassung des Urheberrechts anstößt.

[Fortsetzung folgt]

  1. [1] Die Zusammenfassung des Goethe-Instituts ist gar nicht schlecht.
  2. [2] Was letztlich aus diesem Experiment wurde, steht auf einem anderen Blatt - und das wurde wiederum in Büchern diskutiert.
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