26.3.2008

Netzwerkprodukte (3)

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Eine ähnlich gegenläufige Bewegung findet man in der Entwicklung der Software, zumindest in jener, die die Industrie hervorbringt.

Bis in die späten Neunziger brachten die Updates der großen Softwarepakete fast immer nicht nur Bugfixes, sondern echte Neuerungen - manchmal sogar solche, die niemand für möglich gehalten hätte. Bildbearbeitungen wie Photoshop, Betriebssysteme wie die von Apple, oder - um mal meinen eigenen Bereich zu nennen - Musiksoftware wie Cubase brachten Filterplugins, coole Benutzeroberflächen, und virtuelle Instrumente.

Heute ist dies weitgehend erstarrt. Die kommerziellen, monolitischen Applikationen halten ihren Benutzerkreis weitgehend durch ihre pure Existenz, z.T. weil es zu ihnen keine echte Alternative gibt (Photoshop), z.T. weil die User die existierenden Alternativen nicht wahrnehmen (Windows), z.T. weil man enorm komplexe Applikationen nicht über Jahre gelernt hat, nur um sie dann abzustreifen wie ein Hemd (Cubase, Photoshop).

Um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: jene Erstarrung verdankt sich dem ins Gargantueske gewachsenen Sourcecode. Bei Steinberg hatten wir Mitte der Neunziger immerhin noch erkannt, daß der alte C-Code nicht mehr lange wartbar sein wird, und hatten ein komplettes Rewrite gestartet. Trotzdem geistert da noch einiges an Legacy-Code herum (legacy = Erbe = Wurstcode; z.B. mein Noteneditor) - und selbst die Wurzeln des neue Codes liegen heute dreizehn(!) Jahre in der Vergangenheit. - Bei anderen Firmen mag das weit dramatischer aussehen. Ich möchte jedenfalls keinen Job bei Adobe oder Microsoft. Bei denen dürfte Programmiererarbeit Ahnenforschung bedeuten.

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