28.2.2008

Erich Wolfgang Korngold: Symphony in F sharp, op. 40

Der Name Korngold ist selbst unter den Hörern von sog. "Klassik"[1] nicht weiter bekannt. Das war im Wien der 20er Jahre völlig anders, und Hollywood beruft sich auf sein Erbe bis heute.

Erich Wolfgang wurde 1897 als Sohn des gefürchteten und einflußreichen Musikkritikers Julius Korngold geboren, und galt als Wunderkind. Bereits als Dreizehnjähriger erlebte er die Uraufführung einer eigenen Komposition - und zwar gleich an der Wiener Hofoper und unter ihrem ersten Dirigenten, Frank Schalk. Die Uraufführung seiner Oper "Die tote Stadt" 1920 machte ihn zu einer Berühmtheit weltweit (wobei jeder, der es als Musiker im Wien jener Zeit zu etwas gebracht hatte, eh schon weltberühmt war).

Beim Anschluß Österreichs 1938 emigrierte Korngold in die USA, genauer: nach Hollywood. Im Unterschied zu anderen Emigranten wurde er mit offenen Armen empfangen: bereits 1934 hatte er Max Reinhards Verfilmung des Sommernachts-Traums musikalisch begleitet. Warner Bros. bot ihm einen Vertrag, der unter heutigen Verhältnissen unglaublich klingt: er sollte gerade zwei Filme pro Jahr vertonen, unter vollem Beibehalt aller Rechte an den Kompositionen zur späteren anderweitigen Verwendung.[2]

Korngold gilt als Epigone und Eklektiker. Wenn man Adornos Idee vom Fortschritt des künstlerischen Materials im Gepäck hat, kann man ihn sicherlich so einordnen - und gleichzeitig als unbedeutend und nicht hörenswert beiseite schieben. In meinen Augen wäre das töricht.

Die viersätzige, erst 1952 vollendete "Symphony in F Sharp" beruht auf Themen aus Filmmusiken, ist aber ein in sich geschlossenes Gebilde, das auf klassische Formen zurückgreift und durchaus als Symphonie (mit allen Erweiterungen und Umdeutungen im Sinne Mahlers) gehört werden kann.

Korngold wurde zum bekennenden Bewunderer Bartoks - und das merkt man diesem Werk an: es gibt schärfste dissonante Reibungen, die aber immer tonal zuordbar bleiben. Entweder ist das eine "Verdickung" einer einstimmigen Linie - oder ein dissonierender Akkord wird, in bester Tradition Wagners, nach und nach als Vorhalt der dissonierenden Töne "erklärt". Hinzu kommt die beinah exzessive Verwendung von Schlagwerk und Perkussion in ungerader Metrik.

Der langsame (dritte) Satz ist ein echtes Hilite jener mit an wunderschönen langsamen Sätzen reich gesegneten Spätromantik: man muß das gehört haben, wenn man auch sonst, als Mahler-Affiner, nicht schlafen kann, nachdem man z.B. das Es-Dur-Adagio der Sechsten gehört hat. - Der letzte Satz gibt den Bruckner und zitiert alle drei Sätze zuvor - und zwar nicht ungeschickt-gewollt, sondern auf höchstem handwerklichem Niveau..

Epigonal? Klar. Aber wen kümmerts - und über die Wirkung Korngolds auf uns Heutige habe ich noch kein Wort verloren (als Teaser: die Bilder aus Berlin vom Jahreswechsel auf 08 wurden auf dem ZDF vom Starwars-Soundtrack begleitet -und keiner hat das gehört (gehört im Sinne von: zugeordnet), geschweige kommentiert).

  1. [1] Beim Wort "Klassik" dreht sich mir der Magen um - ich muß dringend einen eigen Eintrag zum Thema schreiben.
  2. [2] Zur Filmmusik Korngolds später mehr.
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