9.2.2008

Winterreise (2)

Mozart: damit habe ich lange Jahre nichts anfangen können - das war ein Pseudonym für Nachtmusik und simpel und vorhersehbar, ich fand das schlicht langweilig. Da aber nahezu jeder bedeutende Musiker in den letzten 250 Jahre voller Staunen vor Mozarts Musik gestanden hat, habe ich immer schon vermutet, daß man vielleicht ein gewisses Alter erreichen müsse, um sie zu mögen (so ist es auch gekommen).

Bei Schubert war ich mir stets sicher, daß er mir nie etwas zu sagen habe - das war in meinen Augen der Komponist von Liedern im Volkston, die im Biedermeier dem Kleinbürgertum den Abend im Salon versüßten, von niederschmetternder Innerlichkeit, reaktionär bis in die Knochen.

Aber das ist natürlich ein völlig falsches Bild, ungefähr vergleichbar mit jenem, das zum Begriff der Romantik kitschige Sonnenuntergänge und schwülstige Liebesschwüre assoziiert.

Im Zentrum des romantischen Lebensgefühls steht das Empfinden, die profane Realität sei nur eine Hülle, die einen profunden Blick auf die Wahrheit der Dinge wie ein Schleier umgibt. In den Märchen ETA Hoffmans etwa ist der Philister einer phantastischen Welt entgegengestellt, die er leugnet und nicht wahrhaben will, die dennoch die eigentliche, die erfüllte Wirklichkeit darstellt. Wahrgenommen wird ein tiefer Bruch zwischen der äußeren Realität und der inneren Welt, der Sphäre der Innerlichkeit.

Dabei erweist sich diese Wahrnehmung nur beim allerersten Hinsehen als Flucht vor Gesellschaft und Politik.

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