Musikinstrumente
Jedes Musikinstrument stellt einen Musiker vor ganz eigene Schwierigkeiten, und es wäre beispielsweise unsinnig zu sagen, ein Geiger habe mit größeren Problemen zu kämpfen als ein Klavierspieler. Dennoch kann man feststellen, daß die Barrieren für einen Neueinsteiger unterschiedlich hoch liegen. Wenn man sich vor ein Klavier setzt, hat man keine Probleme mit der Intonation, und wenn man eine Taste drückt, erklingt sofort ein Ton. Auf einer Geige hingegen erzeugt ein Anfänger zunächst kläglich kratzende Geräusche, die an einen musikalischen Ton allenfalls erinnern, und sich auch kaum eindeutig einer bestimmten Tonhöhe zuordnen lassen.
Beim Klavier hat man eine klar definierte Mechanik, die den Weg der Hämmer zu jeweils bestimmten Saiten festlegt. Bei der Geige sind nur die vier Leersaiten definiert - alle anderen Töne muß die linke Hand greifen. Hinzu kommt der Bogen in der rechten Hand, dessen raue Bespannung über die Saiten streicht und sie so zum Schwingen bringt. Hier wird die Mechanik durch die linke Greifhand sowie den rechten, den Bogen führenden Arm ersetzt - beides jeweils ohne irgendeine mechanische oder optische Hilfestellung oder Möglichkeit der Kontrolle. Ein Geigenspieler muß sich über das erzielte Klangergebnis an seine Technik herantasten. Ein Klavierspieler hingegen kann die Tonhöhen vor sich auf der Tastatur sehen.
Einen ähnlichen Gegensatz findet man bei den Blasinstrumenten zwischen den Holzbläsern auf der einen, und den Blechbläsern auf der anderen Seite. Bei Flöte, Klarinette etc. ist die reine Tonerzeugung zwar nicht ganz so einfach wie auf einem Klavier - trotzdem sind die Probleme einigermaßen rasch in den Griff zu bekommen. Die unterschiedlichen Tonhöhen lassen sich durch das Öffnen und Schließen von Klappen und Bohrungen relativ einfach abrufen. Auch dies ist nicht so simpel wie auf dem Klavier, nach einiger Übung aber zuverlässig abrufbar. Bei Trompete, Posaune etc. hingegen gelingt die Tonerzeugung keinesfalls selbstverständlich. Man muß die Lippen in einer bestimmten Weise spannen, damit zunächst ein erster, verrauschter und ungleichförmiger Ton erklingt. Die Tonhöhen werden nur sehr begrenzt durch Ventile (bzw. den Zug an der Posaune) vorgegeben - bei Blechblasinstrumenten geht es darum, die durch die Länge des Blasrohrs definierte Obertonreihe durch Variation der Spannung der Lippen zu durchwandern. Dabei dienen die Ventile lediglich dazu, unterschiedliche Basistöne zur Verfügung zu stellen, deren Obertöne dann benutzt werden.
Der Fluch des Toningenieurs ist derselbe, unter dem auch der Setzer/Layouter bisweilen leidet: wenn sie ihren Job richtig, richtig gut machen, bemerkt man ihre Arbeit nicht: der TI will ja reinen, unverfälschten Klang, als wäre man live zugegen. Klar, du und ich wissen, wie schwer (bzw. unmöglich das ist und wir bemerken das, aber die breite Masse eben nicht). Ähnlich beim Layouter/Setzer: ist ein Buch typographisch nahezu perfekt, wird "nur" noch der Text, das Wort wahrgenommen. Eine traurige Kunst, quasi.
Tja, und die Diva ist eben das genaue Gegenteil: sie muss eine ganze Menge mehr oder minder offensichtliches tun, um gefeiert zu werden.
Rubin ist sicher die Ausnahme, wie auch einzelne andere, zum Beispiel Steve Albini oder Alan Parsons.
> Wenn sie ihren Job richtig, richtig gut machen, bemerkt man ihre Arbeit nicht <
Guter Punkt - die Analogie zur Arbeit eines Layouter leuchtet mir ebenfalls ein.
Nur: warum wird dann ausgerechnet derjenige als Genie verehrt, der völlig im Hintergrund bleibt, dessen Arbeit ebenfalls komplett von der "Live"-Performance entkoppelt ist, z.T. Monate, sogar Jahre vor der Uraufführung beendet wurde, und in einem abstrakten, nur von wenigen entzifferbaren "Gemälde" resultiert?
Ich rede hier vom Techniker par excellence, dem Komponisten.
Das ist eine Frage, auf die ich definitiv keine Antwort habe.