Most (6 - Im Krankenhaus)
Als ich direkt nach der Aufnahme im Rollstuhl zum Röntgen, kurz danach ins Zimmer geschoben wurde, hatte ich eine Weile den Eindruck, Teil eines schlechten Films zu sein. Das Krankenhaus von Most stammt schätzungsweise aus den 70er Jahren, und seitdem hat es kaum eine umfassende Sanierung erlebt. Die Kacheln an den Wänden wirkten verblichen, und man konnte überall in der Einrichtung starkte Gebrauchsspuren sehen. Die Beleuchtung in den Gängen mit ihren stellenweise leicht flackernden Neonröhren verstärkte den Eindruck, in der Kulisse eines Gruselfilms unterwegs zu sein.
Das Zimmer teilte ich mit vier Männern, die durchaus munter miteinander am Reden waren - freilich in einer Sprache, in der ich nicht einmal „Ja”, „Nein”, oder „Danke” sagen kann. In meinem angeschlagenen Zustand hatte ich nicht die leiseste Ahnung, was ich von meinen Zimmergenossen zu erwarten hatte - ich muß (nachträglich doch sehr beschämt) zugeben, daß ich als erstes meine Geldbörse in einer Schublade in Sicherheit brachte, die sich nur mit einigem Getöse öffnen ließ.
Der erste Eindruck entsprach dann aber nicht im Mindesten dem, was mich in den nächsten Tagen erwartete. Die ersten 24 Stunden war ich weitgehend teilnahmslos, hing am Tropf und war fast ununterbrochen am Schlafen. Trotzdem hat man sofort versucht, mit mir ins Gespräch zu kommen - mit Händen, Füßen, und ein paar Brocken Deutsch und Englisch. Nach kurzer Zeit hatte ich verstanden, daß im Zimmer Unfallopfer versammelt sind - einer mit einem schweren Motorradunfall im Straßenverkehr, ein anderer mit einem Riß der Achillessehne vom Fußballspiel. Man hat mich auch später unter die Fittiche genommen, etwa am Morgen, als ich offiziell zwar von der radikalen Null-Diät (nichts zu Essen, nicht einmal Flüssigkeit) der ersten Nacht entbunden war, man mir aber kein Frühstück brachte: da wurde mit großer Selbstverständlichkeit geteilt, und ich bekam ein Brötchen und etwas Obst. Das ging später immer so weiter: weil ich kein tschechisches Geld hatte und deshalb nicht im Krankenhaus-eigenen Kiosk einkaufen konnte, schenkte man mir eine halbe Tafel Schokolade, ein Flasche Mineralwasser, usf. - und später sogar ein T-Shirt (wahrscheinlich hat man den Anblick meines vom Krankenhaus gestellten Schlafanzugs nicht mehr ertragen).
Ganz besonders zu einer für ein Krankenhaus geradezu unglaublich entspannten Atmosphäre haben freilich die Krankenschwestern und Pfleger beigetragen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, es hier mit Personal zu tun zu haben, das unterbezahlt und überarbeitet seiner Pflicht nachkommt. Obwohl am Wochenende offenbar 36-Stunden-Schichten gefahren wurden, haben die Schwestern permanent untereinander und mit den Patienten geredet und gescherzt - da war eigentlich ständig jemand am Lachen, und ich habe es nicht ein einziges Mal erlebt, daß eine Schwester schlecht gelaunt oder überfordert wirkte. Gerade in der ersten Nacht, als jede(?) Stunde mein Blutdruck gemessen und die Reaktion meiner Augen getestet wurde, hatte ich das Gefühl, daß diese Mannschaft ihren Job nicht bloß ernst nimmt, sondern ihn als Berufung erlebt. Die Anteilnahme, die da zu Tage trat, hat mich wirklich schwer beeindruckt. Wenn man ernsthaft verletzt oder krank ist und Pflege braucht, kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen, als das Krankenhaus in Most.
Eine Krankenschwester, die mehr als passabel Deutsch sprach und wohl deshalb häufiger mit mir zu tun hatte, war noch eine ganz besondere Zauberfee. Am dritten Tag zog sie mir die Kanüle aus der Vene, mit der ich anfangs mit dem Tropf verbunden war:
Ich: Ich dreh' mich mal weg - das kann ich mir nicht ansehen.
Sie (mit gespielt-ungläubigem Ton): Aber Sie sind doch ein Mann.
Ich: Naja - manchmal schon.
Helles Gekichere.
Hi!
Zu Dir:
Schön das es dir wieder gut geht!
Zu deinem Motottad!
;o) auf ein NEUES!!
Zu deinem Unfall:
Du hättest nach eingänglicher Analyse von P.`s Linie und der unterlegenen Leistung deines Motorrades auf den Geraden, natürlich auch einfach ein wenig Abstand lassen können um P. nicht voll in die Karre zu fahren! (eine Runde durch die Boxengasse hilft da immer) Über zu viel Verkehr auf der Strecke konnten wir uns wohl zu keinem Zeitpunkt beklagen!
Es ging schließlich um nichts! Ich betone um rein gar nichts!!!
Wer mit verkehrtem Ehrgeiz die eigene Gesundheit und die einer anderen Person (P.) riskiert, ist bei einem Renntraining leider fehl am Platz! Womit wolltest du dich den brüsten? Ich habe den ältesten Teilnehmer des Renntrainings überholt!!!!!
Für mich bist du Schuld! Ob P. nu gebremst hat oder nicht! In der Kurve gibt es keinen Grund am Hinterrad der Vorfahrenden zu kleben! Schon gar nicht wenn ich vorher schon die Linenführung als nicht so optimal analysiert habe!. Eine versetzte Linienführung oder der schon erwähnte Abstand hilft da manchmal!
Alkohol (und ich rede nicht von einem oder zwei Bier zum Grillen) hat nichts auf der Rennstecke zu suchen! Wir sind absolute Amateure die Motorräder am "Limit" bewegen wollen! Ich verstehe es nicht.... kaum aus dem Haus und nicht mehr unter Beobachtung mutieren einige plötzlich zu Kampftrinkern und "steuern" am nächsten Tag ihr Motorrad mit 200 km/h um den Kurs! Glaube mir wenn mich einer mit einer Fahne abschießt wird es sehr unangenehm!
Aber........hauptsache in deiner Welt bist du unschuldig!
So... fall nicht über einen heißen Grill!
Bis denne!
Mario
> Aber........hauptsache in deiner Welt bist du unschuldig!
Nicht im Mindesten.
Lies die Texte bitte mal eine wenig genauer.
Hi !
WENN ich die Schuldfrage stellen würde, dann wärst Du - wie Du eben selbst - schreibst eindeutig schuldig. Aber für solche Fragen haben wir ja Institutionen. Ich finde, man kann sich auch ganz andere Dinge fragen. (In den USA läuft gerade wieder die Diskussion, warum Polizei und Richter die Schuldfrage immer so stellen, dass die Schwarzen im Gefängnis in grosser Ueberzahl vertreten sind, statt sich endlich mal zu fragen, warum sie immer diese Schuldfrage stellen).
Also zurück auf die Rennstrecke: Ich habe vergleichbare Situationen auch schon mehrfach erlebt. Mir sind dann auch etliche Male die Pferde durchgegangen. Worum ging es? (Nicht um nichts!!) Ich habe mich geärgert, weil ein anderer mir mehr oder weniger bewusst den Weg versperrte. Im Aerger habe ich dann die Fassung verloren. (Es stimmt, ein Fahrt durch die Boxengasse hätte geholfen, nicht mehr hinter DIESEM speziellen Aerger zu fahren, es hätte aber nicht geholfen, mich nicht schon bei der nächsten Gelegenheit wieder zu ärgern.)
PSYCHOLOGISTISCH könnte ich mich fragen, warum ich mich ärgere. Das könnte ja auch tiefer liegen, also gar nichts mit der aktuellen, nur auslösenden Situation zu tun haben.
Aber andere Fragen finde ich spannender: Warum fährt der vor mir so, wie er fährt. Wenn ich natürlich schon weiss, dass das falsch ist, ist die Sache erledigt. Basta. Oder ich kann untersuchen, wo genau er Zeit verliert. Vielleicht erkenne ich bei ihm Fehler, die ich bei etwas höherer Geschwindigkeit selbst mache.
Anstelle der Boxengasse (was ja einfach blö verlorene Zeit ist (sozusagen eine Durchfahrtstrafe, die ich mir selbst gebe!)), kann ich einen Gang
höher fahren und schauen, wie sich das auswirkt. Ich könnte dabei entdecken, dass ich dadurch statt wie erwartet sogar noch schneller werde. Dann müsste ich wohl noch einen Gang zulegen ;-). Es gibt viele Experimente. Wir könnten uns darüber Gedanken machen.
Ich finde vor allem schön, dass Ihr mit dem Schrecken davon gekommen seid. LG Rolf
Hallo Michael,
auch ich bin natürlich froh, daß keinem der "Kontrahenden" etwas passiert ist.
Ich habe Deine Ausführungen zu dem Unfallhergang mit Interesse gelesen und bin froh, daß Du mnicht die gaesamtschuld bei Deinem "Widersacher" suchst sondern eigene Fehler einräumst.
[EDIT: Gelesen und zu Kenntnis genommen - im Google-Index hat das aber nichts zu suchen (mm)]
Trotzdem ein paar grundsätzliche Gedanken:
Daß bei dem Crash nicht mehr passiert ist, war reines Glück!Das hast Du auch richtig erkannt!
Zu bedenken ist folgendes:
Der Leitspruch der Veranstaltung heißt RÜCKSICHTNAHME. Und der schnellere, so er denn wirklich schneller ist, sucht sich den Weg (sicher) an dem langsameren vorbei.
Gefährdungen sind dabei zu vermeiden! Und im Abstand einer Motorradlänge auf einen Abklösepunkt (oder wo auch immer hin) zuzufahren ist gefährlich. Besonders unter dem Aspekt, daß Dir bereits klar war, daß Dein "Gegner" eine für Dich und Deine Wahrnehmung "komische Linie" fährt.
Wenn Du für Dich und Dein Ego brauchst schneller zu fahren als Andere, so ist das Deine Entscheidung. Wenn Du dabei zu große Schritte machen willst, ist das nicht zielführend sondern gefährlich. Ehrgeiz ist kein guter Lehrmeister.
Meine Linie und meine Geschwindigkeit fahre ich nur für mich und nicht gegen jemand anderes auf der Strecke. Habe ich meine Linie soweit verbessert, daß ich schneller werde, komme ich sicherlich irgendwann an den Punkt mir über das "Überholen" Gedanken machen zu müssen.
Und dann ist Sicherheit die oberste Pflicht. Denn auch ich erwarte von meinen "Mitkämpfern an der Verbesserung der eigenen Linie", daß sie rücksichtsvoll und auf der sicheren Seite überholen. Ich denke dies war bisher auch Deine Erwartung an die anderen Teilnehmer.
Überholen vor oder in einer Kurve bedeutet für mich, mich deutlich sichtbar für den Anderen vor der Kurve neben ihm zu zeigen. Keine "hinterhältigen" Angriffe aus dem Rückraum. So weiß Dein Mitspieler, was auf ihn zukommt und kann sich entsprechend darauf einstellen. Sollte es nicht reichen mich wirklich sichtbar neben dem Anderen zu zeigen, so stecke ich zurück und versuche es später noch mal entweder an der selben Stelle oder in einer anderen Kurve.
Zu deiner Absicht aussen herum zu überholen: Nehme, wenn es geht, davon Abstand, denn aussen herum ist der Weg länger. Und wenn Dein Mitspieler sich erschreckt, richtet er das Mrd auf und fährt damit nach aussen. (Hast Du bestimmt schon ganz oft in den Sicherheitseinweisungen von P. Esch auf dem Hbr. gehört.)
Auf der Innenspur zu überholen ist sicherer!
Zu Deinem Ablösupunkt bei "ca. querab Kiesbett" sei nur gesagt: Da fährst Du aber eine komische Linie. Da zeige ich Dir das nächste Mal in Most gerne eine Alternative, wenn Du dann so langsam hinter mir herfahren möchtest.
Also bis dann und viel Spaß beim Neuaufbau Deiner Maschine
Ulf
Ja, ich schliesse mich Ulf an. Kannst gerne mit mir ein paar Runden drehen beim nächsten Mal. Die Verurteilungen und Schuldzuweisungen hier im Forum finde ich überflüssig. Denn obwohl Rücksichtnahme oberstes Gebot sein sollte, ist niemand auf der Rennstrecke vor eigenen oder fremden Fehlern geschützt. Es bleibt ein nicht unerhebliches Restrisiko. Wer das für sich und andere vollkommen ausschließen will, darf nicht dorthin fahren. Damit ergreife ich nicht Partei. Es sollte nur allen bei einem Kurvenurlaub immer klar sein, dass das alles höchst gefährlich ist, was wir da so tun und treiben.....
Ach und übrigens: Deine Unfallstelle liegt unterm Matadorbogen, der ist eine Kurve später als die Luftaufnahme, die Du eingefügt hast. Du zeigst die Rechts durch die Senke.
Gruß und bis demnächst!
Axel