Wenn die Sonne untergeht
Wenn die Sonne untergeht, bleibt die Erinnerung vom Tag
und wenn die Böller losgehen und das Feuerwerk die vom Jahr
und wenn ich aufwache und keinen Vater mehr habe die von der Kindheit
und wenn die Nacht kommt die von der Sonne
und alles ist gut.
Alles ist gut
alles Momente voll Freude, so gut oder schlimm sie waren
denn ich erinnere mich.
Dann das Erschrecken, wenn was ist Erinnern ist.
Die Welt tuschelt
Die Welt tuschelt,
und es zieht mich, ihr gleich zu tun.
Ich bin eine Stimme
die nicht erklärt;
Klang
ganz nah einer
Maschine
ihn nach Bedarf zu biegen.
Wolkenfetzen, darüber eine Handvoll Sterne
Wolkenfetzen, darüber eine Handvoll Sterne –
diese Welt ist voller Schönheit,
selbst in der Sicht vom Balkon zuhause;
mit einer Zigarette im Mundwinkel, vielleicht.
Tausend
Es gibt eine Balance zwischen dem Wunsch, gehört zu werden, und der Sehnsucht nach Stille.
Ich schreibe, oder schlafe, trinke den Wein oder ersehne eine – als ob „fremde” – Hand durch meine Haare:
schlafend Stille:
schweige, träumend.
Ich sollte Tagebuch schreiben, und zwar täglich, so wie sich das gehört. Einfach mal einfach die Fakten aufschreíben. So tun, als ob das so einfach wäre; jedenfalls NICHT in die Falle laufen zu behaupten Alles sei so kompliziert.
Return from subroutine – RTS, ein EIN Befehl.
Aber so einfach ist das ja nie.
[Dies ist mein tausendster Eintrag in mein Blog – dabei ist die Skizze oben sechs Jahre alt; entstanden, bevor ich damit begonnen habe, halbwegs regelmäßig ins 'Net zu schreiben.]
Zwei Spiegel
Jedes Selbst hat zwei Seelen: die eine, die nach Liebe sucht und sich nach außen wendet; und die andere, die Gott verlangt und nach innen gerichtet ist. Beide Seelen sind auf Ziele aus, die sich nie erreichen lassen. Weil sie nur auf der Suche sein können – ohne Aussicht, ihre Sehnsucht je zu erfüllen – sind sie nicht nur die Hoffnung, sondern gleichzeitig der Alptraum hinter jedem Dasein.
Nicht genug damit, lassen sich beide Seelen leicht in die Irre führen und das Selbst oft darüber verwirrt zurück, welche Hoffnung auf welches Ziel gerichtet ist, und welche Seele sie adressiert. So führt das Verlangen nach Identität dazu, dies mit der Suche nach Liebe verwechseln, wie umgekehrt Verlorensein in der Welt dazu führt, an Gott zu verzweifeln.
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum.
(Nietzsche)
Ich würde diesen Satz, auf unsere Zeit gewendet, so formulieren: In jenem Maß, in dem das Leben ohne Musik ist, zeigt sich dessen Irrsinn.
[Nachtrag 1]: Aber das Zitat fällt ja ursprünglich in einem Kontext ganz anderer Sätze:
„Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend“
[Nachtrag 2]: Es ist wenig überraschend, wie oft man über das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat stolpert, wenn man nach ihm googelt. Interessant ist schon, was man über den Satz dann zu lesen bekommt.
Clouds, Birds, Moon, Venus
(Quelle)
Wer braucht bei solchem Ausblick noch den Glauben an ein Jenseits.
Es ist alles hier.
Ein Murmelspiel
Exposé (Roman/Film/Computerspiel)
PK erwacht in einer beengten, kärglich mit Bettgestell und Klo ausgestatteten Zelle. Nachdem er im Halbdunkel den Raum abgetastet hat und feststellt, daß er eingesperrt ist, wird die Tür aufgestoßen, und zwei Wachen betreten den Raum. Sie stoßen ihn grob, und befehlen ihm, mitzukommen. PK taumelt, immer wieder von ihren Knüppeln weiter getrieben, durch einen langen Gang, bis man ihm zu stoppen befiehlt, eine Tür an der Seite öffnet, und ihn in den Raum dahinter stößt. Auch diese Zelle ist klein, klaustrophisch – nur daß hier kein Bett steht, sondern ein einsamer Stuhl, auf den man ihn fesselt. Die Wachen verlassen den Raum, und PK sitzt mit dem Rücken zur Tür, wartet. Nach einiger Zeit hört er Schritte im Gang, die Tür geht auf, eine Stimme sagt: „So sieht man sich wieder“. PK wendet den Kopf, kann aber niemanden sehen, bis er wieder Geräusche hört, und – stark nach hinten verdreht – jemanden am Rande seines Gesichtsfeld erkennt: ein kleiner, unscheinbarer Mann, mit ungepflegten langen Haaren, gekleidet in eine Jeansjacke über einem weißen T-Shirt, der sagt: „Wirst Du es mir diesmal erzählen?“ PK hat den Mann nie gesehen, und weiß nicht, was der hören will, schüttelt nur den Kopf. „Gut“, sagt der Mann, und lächelt. Seine Augen leuchten blau mit einem merkwürdigen Strahlen, und irgend etwas verändert sich mit seinem rechten Arm, den PK gerade noch erkennen kann. Etwas kommt auf ihn zu – es wird schwarz, und er erwacht.
